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Facebook, StudiVZ, Lokalisten, Xing – Soziale Netzwerke gibt es zu Hauf, für jeden Alterstyp, für jede Branche, für jeden Zweck. Doch seit wann gibt es den Trend zu sozialen Netzwerken, was bringt uns die Zukunft, und wie vermarktet man sich selbst am besten? All diese Fragen werden in diesem Artikel geklärt.

Was ist ein Social Network?

Zuerst klären wir die Frage, was ein Social Network ist. Social Network heißt zu Deutsch “Soziales Netzwerk”, das wiederum steht für ein Netzwerk an Freunden. Am Beispiel Facebook: Über bereits bekannte Freunde lassen sich neue Freunde finden, man baut so ein Netzwerk aus Freunden auf. Die elementaren Funktionen eines sozialen Netzwerkes sind einmal die Möglichkeit ein eigenes Userprofil anzulegen, und die Messaging-Funktion.

Warum sind Social Networks so erfolgreich?

Zum einen bedienen soziale Netwerke ein Grundbedürfnis des Menschen: Er will sich selbst ausdrücken und mit anderen Menschen kommunizieren. Genau diese Bedürfnisse werden von den Freundesnetzwerken erfüllt. Am Beispiel Facebook:

Man kann sich selbst ausdrücken, in dem man Interessensgruppen beitritt, oder etwas an seine eigene Pinnwand (oder die eines Freundes) postet. Das sieht dann jeder Benutzer,

© HORIZONTstats

der das Profil aufruft. Das ist in etwa so wie bei Twitter. Aber dazu später mehr.

Zum anderen wirkt auch hier in gewisser Weise ein “Gruppenzwang”: Social Networks sind “in”, und wenn schon alle Freunde in Facebook sind, dann wird man sich selbst höchstwahrscheinlich auch registrieren.

Nach einer Erhebung des” Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien der LMU München und der Strategieberatung zehnvier sind die Hauptgründe für die Mitgliedschaft in Social Networks

  • Freunde oder bekannte sind auch Mitglied (78,2%)
  • Kontakt halten (64,9%)
  • Spaß und Zeitvertreib (60,8%)
  • Neugierde (41,3%)
  • Inhalte mit Freunden teilen (40,2%)
  • Berufliche Kontakte und Austausch (17,6%)

Hier sieht man ganz deutlich das vor allem der “Gruppenzwang” für den raschen Userzuwachs sorgt. Kommt der Ball ins Rollen, dann ist er unaufhaltsam wie eine Lawine. Denn ist ein User beispielsweise bei Facebook, dann werden übe diesen User weitere User kommen. Und über die neuen User finden auch wieder weitere zu dem Social Network. Und so weiter.
Natürlich sind Social Networks auch Kommunikationsinstrumente. Verständlich, dass “Kontakt halten” auf Platz 2 der Statistik steht.

Nur einer kann gewinnen

Es gibt für fast jeden Zweck ein Social Network: Es gibt Freundesnetzwerke (z.B. Lokalisten.de), Studentennetzwerke (beispielsweise studiVZ.de), Business-Netzwerke (z.B. Xing.de) und regionale Netzwerke (z.B. pafnet.de), und als”Allround-Lösung”: Facebook.com .

So hat jeder für seinen Geschmack und für seine Bedürfnisse ein Soziales Netzwerk. Klingt erstmal gut. Doch der Markt wird derzeit von Netzwerken überschwemnt. Und nur ein Produkt kann gewinnen. Der Sieger kristallisiert sich derzeit heraus: Facebook, der Global Player unter den Social Netzwerken. In Deutschland noch nicht an der Spitze, thront es in vielen anderen Ländern an der Spitze. Es wird eben nur ein Allround-Netzwerk geben, Netzwerke wie “wer-kennt-wen”, “lokalisten” oder “meinVZ” werden – weil sie keine bestimmte Ausrichtung haben, stark an Popularität verlieren.

Bei den Regionalen und Themenbezogenen Social Networks sieht die Sache anders aus. Sicher, auch hier werden User zum großen Konkurrenten Facebook abwandern. Aber ein Userstamm wird bleiben, denn wer News zur eigene Region erhalten will, und neue Menschen aus der eigenen Umgebung kennenlernen will, der greift am besten zu einem Netzwerk mit regionalem Bezug.
Genauso ist das auch mit einem Themenbezogenen Netzwerk. Wer selbst studiert, und sich mit anderen Studenten austauschen will, der ist beispielsweise bei studiVZ gut aufgehoben.

Alles in Allem geht der Trend weg von Insellösungen hin zum zentralen Netzwerk.

Seit wann gibt es Social Networks?

Foren und Chats gibt es schon lange. Aber Soziale Netzwerke sind im Netz noch relativ jung. Angefangen hatte alles 1995 mit dem US-Amerikanischen Netzwerk classmates.com . Dann blieb es relativ ruhig im Bereich der Social Networks. Bis zum Jahre 2005, als die News Corporation das Social Network “MySpace” für eine beträchtliche Summe aufkaufte. Erstmals war vom Begriff “Web 2.0″ die Rede, mit dem das interaktive Internet gemeint ist.
Denn bis vor noch gar nicht langer Zeit war das Internet alles andere als sozial. Gut, Foren und Chats gibt es schon ewig. E-Mail auch. Aber die Möglichkeit, schnell ein Freundesnetzwerk aufzubauen, neue Kontakte zu knüpfen,sich selbst zu präsentieren und zu vermarkten, war nicht gegeben. Das ist heute anders.

Banales tritt in den Mittelpunkt

Immer öfter werden Sätze wie “Bin jetzt essen” oder “Schönes Wetter heute” an die Pinnwand bei Facebook gepostet, oder über Twitter veröffentlicht. Genau das ist es, was bei Social Networks wichtig ist. Denn kurioserweise reagieren viele User darauf, und klicken z.B. bei Facebook den “Gefällt mir” Button, oder kommentieren das ganze. Man lebt sein Leben quasi “Halböffentlich”. Man selbst stellt präsentiert sich, kommentiert Beiträge anderer, eine ganz andere, neue, Art der Kommunikation entsteht.

Werbemöglichkeiten im Social Web

Das Stichwort: Virales Marketing. Beim Viralen Marketing verbreiten sich die sogenannten Virals wie ein Virus von Mensch zu Mensch. Oft geschieht das durch Videos, in denen eigentlich unglaubliche Dinge gezeigt werden. Als Beispiel möchte ich hier ein Viral von Microsoft nennen. Hier klicken um es anzusehen! In dem Video rutscht ein gewisser “Bruno Kammerl” eine sehr lange Wasserrutsche herunter, fliegt dann durch die Luft, und macht dann eine Punktlandung in einem kleinen Planschbecken. Es wurde gerätselt, ob das Video denn ein Fake sei. im Social Web verbreitete es sich wie ein Virus von Mensch zu Mensch, am Beispiel Twitter:

Schaut mal hier! http://www.youtube.com/watch?v=lkwh4ZaxHIA Unglaublich, was denkt ihr, ist das ein Fake?

Dann wurde die Website in die Beschreibung des Videos mit aufgenommen: megawoosh.com
Eine Landingpage, die von Microsoft für das beworbene Produkt “Microsoft Office Project 2007″ erstellt wurde. Der Claim, direkt auf der Startseite: Denkbar. Planbar. Machbar.

An diesem Beispiel kann man sehen, wie schnell sich Nachrichten im sozialen Web verbreiten. Und welche neuen Werbeformen sich dadurch auftun. Eines steht fest: Werbung wird nicht mehr so klar zu erkennen sein wie derzeit. Werbeformen werden sich vermischen und man wird versuchen, den Menschen zu beeinflussen. Im Social Web geht das prima.

Immer Online, immer erreichbar?

Hier möchte ich wieder Facebook erwähnen. Per App kann man seinen Status aktualisieren, z.B auf “Bin einkaufen”, oder sogar seine Freunde in den Entscheidungsprozess miteinbeziehen, beispielsweise in dem man Sätze wie “Was steht mir bessser – Rot oder braun?” an die Facebook-Pinnwand postet. Genau das wollen die Social-Network Betreiber. Denn umso mehr Menschen online sind, umso länger bleibt der Einzelne online. Der User soll sich eben nie langweilen, und immer mit seinen Freunden in Kontakt sein.

Das hat natürlich auch seine Schattenseiten, irgendwann hat man einfach keine Lust mehr auf die Informationsflut und Überreizung. Der Schuss könnte nach hinten losgehen. Aber dazu eine Prognose zu geben wäre sehr gewagt, also enthalte ich mich lieber.

Wenn Social Networks süchtig machen

In Social Networks wird es nie langweilig – Immer gibt es etwas zu kommentieren, interessante Links, die darauf warten, besucht zu werden, und in Facebook laden kurweilige Games wie “Desktop Defender oder MafiaWars” zu einem schnellen Spielchen ein.
Wer da nicht aufpasst, ist schnell abhängig nach Konversation und dem Austausch von Links und Fotos.

So vergisst man schnell die Zeit, hangelt sich von Profil zu Profil, und kommentiert hier und da ein Foto.

Dass das nicht unbedingt gesund ist, kann man sich wohl denken. Das einzige was da hilft ist simpel, aber effektiv: Stecker raus.

Ein weitere große Suchtgefahr im Social Web sind die sogenannten “Social Games”. Aber weiter dazu im nächsten Abschnitt.

Social Gaming – Gaming im Social Network

Auch hier ist Social Network Facebook das beste Beispiel. Auf der Plattform laden viele Spiele zu einem kleinen Spiel ein. Spielt man einmal, möchte man nicht mehr aufhören. Das habe auch ich schon festgestellt. Wie geschickt die Spieleentwickler das anstellen, werde ich versuchen hier zu erläutern.

FarmVille Logo

Rund 65 Millionen Spieler weltweit spielen auf Facebook “FarmVille”, 26 Millionen tun das sogar täglich.
Ein Spiel, in dem man seinen eigenen Bauernhof bewirtschaften muss. Säen, ernten, und dafür Punkte und virtuelles Geld erwirtschaften. Man spielt mit Freunden aus Facebook, die einem auch beim Vernichten von Unkraut helfen können. Unten wird die Punktezahl der Facebook-Freunde angezeigt, die FarmVille spielen. Das spornt an, diese zu überbieten. Das geht nur, wenn man täglich spielt, ansonsten verkümmern die erntereifen Pflanzen, und man hat das Geld für die Saat umsonst ausgegeben. Schon in dem Punkt machen diese Spiele abhängig.

Der Eintritt zu den Spielen ist kostenlos, aber wer wirklich etwas erreichen will (bei Farmville wäre das der “King of Compost”), der wird regelmäßig hingewiesen, echtes Geld in die Spielwährung einzutauschen. Spielgeld kann man zwar auch durch das tagelange Bestellen der Felder erwirtschaften – aber wer sieht schon gerne wie seine Freunde punktemäßig davonziehen?

Da bietet der Publisher Zynga Abhilfe. Man kann echtes Geld in Spielwährung eintauschen. Ein Milliardengeschäft. Mit der Kreditkarte kommt man in den Spielen eben deutlich schneller voran.

User machen kostenlos Werbung für die Games

Manche Aufgaben im Spiel lassen sich nur lösen, wenn man eine bestimmte Anzahl an Mitstreitern hat. So wird der User schnell zum Drücker für Zynga, weil er in seinem Freundeskreis für das Spiel wirbt, weil er selbst weiterkommen will. Spielende Freunde erhalten Punkte, wenn sie auf Statusmeldungen klicken, die vermelden, dass ein User beispielsweise ein Level weiter gekommen ist. Diese Statusmeldungen sehen aber nicht nur Farmville-Spieler, sondern alle Facebook-Freunde. Auch wenn sie mit dem Spiel nichts am Hut haben. So muss jeder Facebook-User davon ausgehen, dass er früher oder später mit dem Spiel zu tun haben wird.

Und Viele klicken auf die Statusmeldungen, weil sie sehen wollen, was sich dahinter verbirgt – und sind dann schnell selbst vom Spielevirus infiziert.

Der Umgang mit persönlichen Daten – eine brisante Sache

Die Betreiber der Social Networks können sich ein sehr genaues Bild des Benutzers machen. Viele laden viele Bilder von sich selbst hoch, veröffentlichen ihre Vorlieben auf ihrem Profil und posten ihre Aktivitäten auf ihrer Pinnwand. Ein Mekka für Datensammler. Solange diese persönlichen Daten nicht missbraucht werden, kann man dem ganzen zusehen. Doch was, wenn Facebook in eine prekäre fianzielle Lage kommt, und eine ansehnliche Summe für personenbezogene Daten bekommt? Genau da sitzt die Problematik. Denn in den AGB sichert man am Beispiel Facebook sämtliche Verwertungsrechte für hochgeladenen Bilder zu. Nebenbei tritt man sein Urheberrecht an den Betreiber ab. Eine ungeheuer brisante Sache eigentlich – aber zu wenige lesen die AGB, und noch weniger beschweren sich.

Wir müssen den Umgang mit Daten neu erlernen

Muss man überall seine Kontaktdaten schreiben, seine Vorlieben veröffentlichen, sein Lieblingsrestaurant markieren und Aktivitäten veröffentlichen? Im “Web 2.0″ hat man zu all dem die Möglichkeit – ob man sie nutzen sollte ist eine andere Sache. Denn Datensammler können sich so ein (zu) genaues Bild des einzelnen machen. Dass das nicht gut ist, kann man sich denken. Natürlich kann man hier und da etwas kommentieren, oder seine derzeitige Aktivität posten. Aber Dinge wie die Anschrift oder Fotos der letzten Saufparty haben ehre wenig zu suchen.

Denn mittlerweile suchen auch viele Firmenchefs per Suchmaschine nach den digitalen Spuren der Bewerber. Dass da Fotos der letzten Sauforgie nicht unbedingt den besten Eindruck hinterlassen, sollte jedem klar sein.

Was uns die Zukunft bringt

Auch ich habe hier keine Glaskugel stehen. Trotzdem kann man sagen: Echtzeit wird bald der Standard sein. Das Freundesnetzwerk wird immer weiter verflochten, es gibt mittlerweile schon Dienste, die den Standort der Freunde anzeigen. Ermittelt durch den in einigen Handys verbauten GPS-Sensor. So wird das Internet immer mehr mit der Realität vernetzt. Und selbst der, dem die Informationsflut zu groß wird, muss Wohl oder Übel mitmachen. Denn anders geht es nicht, im Social Web.

Endlich erkennen die Medien die Zeichen der Zeit: Es gibt nun eine Spiegel-App. Damit lässt sich das Magazin bequem unterwegs auf dem iPone lesen. Continue Reading…